...liest des listigen Lutz‘ Logiklöcher

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Alle Alli­te­ra­tio­nen ver­en­den völ­lig ver­dreht ünd übelst über­flüs­sig, aber als Her­mann Stau­pe ein Inter­view mit Bahn­chef Lutz liest, fällt ihm nur das Logik­loch auf. Oder ist es am Ende gar keins? Son­dern nur blan­ker Zynis­mus? Oder der ver­geb­li­che Ver­such (oops, I did it again, aber das ist noch nichts  gegen Ollis Kalk­ofen), sich um des Über­le­bens wil­len zu rechtfertigen?

Die Pünkt­lich­keits­ra­te der Bahn hat sich ver­bes­sert, sagt der Chef und meint: es gibt mini­mal weni­ger Ver­spä­tun­gen. Welch’ fro­he Kunde!

Zwei Ein­schrän­kun­gen hat der lis­ti­ge Lutz (!, und jetzt Schluss damit) dabei aller­dings im sper­ri­gen Bahngepäck.

1. Eine Ver­spä­tung von zum Bei­spiel fünf Minu­ten und 59 Sekun­den ist kei­ne Ver­spä­tung, son­dern wird von der Bahn als pünkt­lich gewer­tet. Erst ab sechs Minu­ten Ver­spä­tung ist eine Ver­spä­tung eine Verspätung.

Na ja, das kann Her­mann sogar gel­ten las­sen. Seit sei­nem Weg­zug aus Mies­nitz hat sich in ihm eine gewis­se Gelas­sen­heit, gepaart mit situa­tiv auf­blit­zen­der Groß­zü­gig­keit, breit gemacht. Was sind schon fünf oder sechs Minu­ten? (Auch wenn er sich, durch­aus nicht ohne Häme, dar­an erin­nert, dass zwei Minu­ten in einem Cham­pi­ons League Fina­le schon mal aus „Mia San Mia” ratz fatz „Mia San Nix” gemacht haben. Aber das war in einem ande­ren Jahrtausend).

2. Aus­ge­fal­le­ne Züge tau­chen in der Sta­tis­tik  nicht auf, gel­ten also auch nicht als ver­spä­tet. Begrün­dung Lutz: Das ist doch logisch. Ein Zug, der aus­fällt, also nicht fährt, kann sich auch nicht verspäten.

Jetzt bekommt Her­mann Hirn­sau­sen. Bei ihm gehen jetzt die Schran­ken run­ter. Das Lutz‘sche Argu­ment klingt logisch, ist aber irgend­wie däm­lich, jeden­falls aus Sicht des Bahn­kun­den. Zu Ende gedacht gäbe es dem­nach eine tol­le Idee, wie die Bahn ihre Pünkt­lich­keits­ra­te auf 100 Pro­zent stei­gern könn­te: ein­fach den Betrieb ein­stel­len und über­haupt nicht mehr fah­ren. Nach Lutz wür­de das dann die Ver­spä­tung auf sagen­haf­te Null­kom­ma­nu­ll redu­zie­ren. Und alle müss­ten glück­lich und zufrie­den sein. Auf­trag erfüllt!

Vor sei­nem arg­wöh­ni­schen Auge zuckelt schon schon die neue PR – Offen­si­ve der Bahn auf Her­mann los: “Neu­es Ser­vice – Ange­bot! Nie mehr ver­spä­tet ankom­men – weil gar nicht erst los­fah­ren! Ein­fa­che Stre­cke 99 €. Für Berufs­tä­ti­ge, Eili­ge und Zeit­sen­si­ti­ve 109 €. 100% Garan­tie!

Die gene­rel­le Argu­men­ta­ti­on kommt Her­mann fatal bekannt vor: Wer nichts macht, macht auch kei­ne Feh­ler. Nur: So wird man es bestimmt nicht fin­den. Her­mann folgt der Lutz‘schen Logik und rät dem Bahn­chef: „Hör‘ auf, zu atmen. Dann pro­du­zierst Du auch kei­ne Logik­lö­cher mehr“.