(...und das KGB Schiff)
Aha – Hermann wird politisch. Besonders gefällt mir diese Aussage:
„Ironie hatte den Effekt, den Faktenfülle auf Gläubige, Logik auf Ideologen und Realität auf Phantasten hat, nämlich keinen, absolut gar keinen.“
Betonköpfe, die in ihrer eigenen Meinungsblase schweben und nichts anderes gelten lassen, die Diskussionen mit Geschrei oder Totschlagargumenten abwürgen und eigene Befindlichkeiten über Fakten stellen, gibt es in jeder Partei und in jeder Gesellschaftsströmung – egal, ob rechts, links, öko oder liberal. Sie interpretieren ihren Standpunkt im wörtlichen Sinne als unverrückbar: „Hier stehe ich und komme keinen Millimeter auf dich zu, egal mit welchen Argumenten du aufwartest“.
Ob Klimawandelleugner, ob die „Freiheit über alles“- Steller (natürlich nur, wenn es um die eigene Freiheit geht, alles zu tun, was einem Spaß macht), ob Verschwörungstheoretiker und Impffeinde, ob beScheuerte Politiker, die bis zum bitteren Ende an einem totgeborenen Projekt festhalten, oder ob die „der Markt regelt alles besser“-Ideologen. Ob Multikulti-Fetischisten auf der einen und die „Immigration ist der Untergang des Deutschen Volkes“-Brüller auf der anderen Seite. So unterschiedlich und verfeindet miteinander sie auch sind, alle sind sich darüber einig, dass nur ihre Meinung die einzig akzeptable ist.
Und natürlich gibt es da noch das Internet, das Strömungen dieser Art verstärkt. Diskussionen finden fast nur noch unter Gleichgesinnten statt, festigen die eigene Meinung und sind deshalb fruchtlos.
Hermann hebt eine Gruppe besonders hervor, nämlich manche schon ideologisch gutmenschlichen Bürgerinitiativen, die lokal das bekämpfen, was sie global umsetzen wollen.
(P.S: Ich finde das Wort Gutmensch ist zu Recht das Unwort des Jahres gewesen, aber manchmal gehen mir auch solche verbohrten Gutmeinende auf den Senkel). Ganz nach dem Sankt-Florians-Prinzip: Unsere Gelbbauchunke ist uns wichtiger als der Solarpark. Und da wird die Sache tatsächlich kompliziert. Artenschutz ist sicher nicht nebensächlich. Aber Artenschutz bedeutet eben nicht, dass man jedes Wohlfühlbiotop einzelner Kröten erhalten muss. Manchmal muss auch Umsiedlung sein.
Und da sind noch die, sich bei jeder Veränderungen beeinträchtig fühlen: „Ich hab hier eine schöne Aussicht, und ihr wollt mir den Horizont verspargeln?“ „Ich wohne in einem netten Neubaugebiet, aber sobald hier weitere Wohnungen gebaut werden sollen, empfinde ich es als Bausünde und Zubetonierung der Landschaft.“ Solche Leute halt.
Doch bleiben wir ehrlich: Sind wir nicht alle ein bisschen so? Halten wir nicht auch die Luft an, wenn unser eigenes Biotop bedroht zu werden scheint? Wenn in unserer Umgebungen Veränderungen stattfinden (müssen)? Haben wir uns alle nicht schon dabei erwischt, dass wir bei Diskussionen gar nicht den anderen zuhören, sondern selbst schon das nächste Argument formulieren, das natürlich unumstößlich ist und damit jeden weiteren Disput beenden muss? Haben wir nicht alle Vorurteile und schweben gewissermaßen in unserer eigenen Meinungsblase? Fangen wir also am besten bei uns selbst an, wenn wir wieder eine faktenbezogene Diskussionskultur entwickeln wollen. Gehen wir dahin, wo es weh tut, die andere Meinung ertragen zu müssen. Lernen wir wieder, mit dem Verstand, statt mit Emotionen zu argumentieren.