(...und das Festival der Spinner I‑III)
Lieber Hermann,
diese Trilogie hat mich wirklich erschreckt. Wenn man die letzten Monate auf dem Mond verbracht hätte, könnte man glauben, es handele sich um eine krude Dystopie. Leider ist das alles real.
Diese Menschen leben in einer Parallelwelt, in der Wahrheit nicht durch die Realität, sondern durch ein Narrativ bestimmt wird. Das kann so abstrus sein, dass sich jeder denkende Mensch an den Kopf fast, aber durch ständige Wiederholung und Verbreitung verdrängt es alle widerlegenden Argumente.
Trump nutzt solch eine „sinnstiftende“ Erzählung für sich aus, wenn er ominöse Hinweise auf den „deep state” gibt und damit die QAnon-Anhänger befeuert. Zitat aus Welt-Online:
„Kürzlich warnte das FBI vor Gruppen wie QAnon, sprach von einer Terrorbedrohung. Nun lobt der US-Präsident die Verschwörungstheoretiker. Sie verehren Donald Trump als Kämpfer gegen eine mächtige Elite aus Pädophilen und Kannibalen.”
Die Anhänger von Verschwörungstheorien verbarrikadieren sich in ihren Zirkeln und Internetblasen gegen die Realität. Kann man überhaupt noch mit denen reden? Höchstens in direkter Konfrontation, wo sie einem nicht ausweichen können. Kann man sie überzeugen? Sicher nicht.
Die intelligenteren unter ihnen setzen eine subtile und gleichermaßen hinterhältige rhetorische Waffe ein: die scheinbar unschuldige Frage.
„Ich frage mich” setzen sie an, behaupten nichts und unterstellen doch in ihren Fragen scheinbare Tatsachen. Das ist raffiniert und verfängt auch bei Menschen, die durchaus rational denken. „Man wird ja wohl noch fragen dürfen” hat das „Man wird ja wohl noch sagen dürfen” der Pegida und anderer rechter Bewegungen abgelöst. Wir alle sind mit der Regel „Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten” aufgewachsen. Wir haben gelernt, dass Fragen die menschliche Schöpfungskraft lenken. Ohne kluge Fragen keine neuen Erkenntnisse, kein Fortschritt. Eine ehrliche Frage setzt aber voraus, dass der Fragende auch etwas wissen will. Die neuen rhetorischen Fragen der „Vordenker” der heterogenen und multimotivierten neuen Protestbewegung wollen aber nichts klären, sie wollen verwirren, verunsichern, unterstellen. Lasst uns alle daher aufpassen und wo immer wir können, diese Frager entlarven.