...und die insularen Komiker

Hermann Staupe... > Archiv > ...und die insularen Komiker

Als Her­mann erfährt, dass auch der insu­la­re Prime Mista­ke keu­chen und hus­ten muss, kann er sich – das muss zu sei­ner Schan­de gesagt sein – eines Anflugs von Häme nicht erwehren.

Natür­lich gönnt man das kei­nem“, rela­ti­viert er, „aber…“ Und er denkt zurück an die Sze­nen, die sich vor eini­ger Zeit in den Zir­kus­zel­ten in Rüs­sel und Rass­burg abge­spielt haben sol­len. Jeden­falls, wenn man den ein- oder zwei­schlä­gi­gen Medi­en glau­ben darf.

Damals hat­te es den skur­ri­len Auf­tritt des Komi­ker­paa­res JoBo Gro­beau und Uni­on Jacob gege­ben, kurz auch „JoBo and Jacko“ genannt, welt­be­rühmt für absur­des Thea­ter. Der eine mit bäri­ger Sta­tur, offe­nem wei­ßen Hemd und blon­der Löwen­pe­rü­cke. Der ande­re im blau­en drei­tei­li­gen Anzug (klein­ka­riert), klein­ka­rier­ten Hemd, mit Flie­ge mit klei­nen Karos und klei­ner Bril­le (ohne Karos). Der eine mit einem Mega­phon, der ande­re mit einem halb­nach­na­men Synthesizer.

Sie hat­ten die ste­hen­den Zuschau­er ange­rem­pelt und sich beschwert, dau­ernd ange­rem­pelt zu wer­den. Sie hat­ten die Sit­zen­den vors Schien­bein getre­ten und sich beschwert, dau­ernd vors Schien­bein getre­ten zu wer­den. Sie hat­ten alle und jeden ange­pö­belt und sich beschwert, dau­ernd von allen and jedem ange­pö­belt zu werden.

Dann hat­ten sie Zah­len in die Luft gewor­fen und damit jon­gliert. Und völ­lig neue Rechen­ar­ten erfun­den. Und neue Land­kar­ten mit teil­wei­se neu­en Gren­zen und teil­wei­se alten Reichen.

Wäh­rend­des­sen hat­te sich die ver­dammt schwie­ri­ge Mana­ge­rin der bei­den, Schwes­ter T. Vom Hei­li­gen Won­ne­mo­nat, zu den Zuschau­ern gesellt und einen Hut – genau­er gesagt: einen Zylin­der – her­um­ge­hen las­sen. Und eis­kalt klar gemacht, dass sie über Dona­tio­nen in Euro nicht amü­siert sei.

Das Publi­kum hat­te auf die Dar­bie­tun­gen zunächst erstaun­lich erstaunt, dann erschre­ckend erschro­cken und danach erhei­ternd erhei­tert reagiert. Da sich die Show der Beiden/Dreien aber immer mehr in die Län­ge zog, hing zum Schluss blei­schwe­res Des­in­ter­es­se in der Luft. Was die bei­den Clowns mas­siv ver­är­ger­te. „Wir wol­len raus”, rie­fen sie und schau­ten sich nach einer Mög­lich­keit um, den Zir­kus ohne Gesichts­ver­lust zu verlassen.

Aber JoBo und Jacko fan­den den pas­sen­den Aus­gang nicht. Der rech­te Aus­gang war ihnen zu rechts, der lin­ke Aus­gang zu links. Der hin­te­re Aus­gang war zu hin­ten, der vor­de­re Aus­gang zu vor­der. Schließ­lich fan­den sie die Lösung: mit dem Kopf durch die Wand. Und die Mana­ge­rin ver­schwand in die Geschichts­bü­cher als Para­de­bei­spiel für völ­li­ge Inkom­pe­tenz bei gleich­blei­ben­der Sturheit.

Irgend­ei­ner rief ihnen noch hin­ter­her: „Indi­en bekommt ihr trotz­dem nicht zurück!

Ach ja, tho­se glo­ry days. Über was hat man sich frü­her auf­ge­regt! Her­mann schmun­zelt. Immer­hin hat es JoBo inzwi­schen zum First Clown Of The Empire gebracht und bemüht sich seit­dem ver­zwei­felt, schnel­ler zu sein als sei­ne Lügen, die ihn ein­zu­ho­len drohen.

Der und die Sei­nen“, da ist sich Her­mann sicher, „wer­den es nie fin­den“.

Plötz­lich schießt ihm der Begriff „klamm­heim­li­che Freu­de“ durch den Kopf. Er denkt an viel frü­her und schämt sich nun wirk­lich. Dabei ist er sich nicht sicher, ob sei­ne älte­ren Brü­der und Schwes­tern, oder auch die jün­ge­ren, das raf-fen. Auch wenn es teil­wei­se groß geschrie­ben wäre.

Und dann schaut er auf. Und sieht das Ei, das her­aus­for­dernd vor ihm steht.

(Mehr dem­nächst in „Her­mann Stau­pe und das Ei im Geheim­gang“. Und jawoll, das soll ein Cliff­han­ger sein.:-))